Fakten zu Plastik

Der VN will mit einer neuen Serie mit wissenschaftlich fundierten Fakten zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen informieren, damit wir uns im Alltag ökologischer verhalten können. Wir beginnen mit dem Thema Plastik, denn die Bilder von Vögeln, die an Plastikmüll verenden, und gigantischen Plastikinseln im Meer schockieren und machen traurig.

Plastik in Zahlen

In der Schweiz werden jährlich rund 1 Million Tonnen Kunststoffe verbraucht. Ein Drittel davon sind Verpackungen, ein Viertel wird in Gebäuden verbaut, der Rest in Fahrzeugen, Elektronik, Haushalt und Landwirtschaft. 780 000 Tonnen Kunststoffe fallen jährlich als Abfall an, der Rest ist langfristiger in Verwendung (z.B. als Isolation verbaut). Vom Abfall werden 90% verbrannt.

Verbrauch von Kunststoffen in der Schweiz nach Gewicht

Quelle: BAFU

Wie schädlich ist Plastik?

Makroplastik

Dass grosse Plastikstücke Tiere schädigen können, wissen wir von den Bildern verendeter Vögel, Fische und Wale, die zu viel Plastik gefressen haben. Der Müll füllt ihren Magen und sie verhungern oder sterben an inneren Verletzungen. Im Meer verheddern sie sich in alten Fischernetzen und ertrinken.

Mikroplastik

Als Mikroplastik bezeichnet man kleine Kunststoff-Teilchen mit einem Durchmesser unter 5 mm. Plastik wird in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut – mitunter braucht es mehrere hundert Jahre. Daher kann sich Mikroplastik anreichern und ein wachsendes Risiko für Mensch und Umwelt darstellen. Über die Auswirkungen von Mikroplastik auf Pflanzen und Tiere, die Bodenfruchtbarkeit und die menschliche Gesundheit wissen wir noch sehr wenig, denn es gibt erst wenig Forschung dazu. Sie hängen aber sicher von der Zusammensetzung, der Grösse und der Menge der Partikel ab.

Plastik und Lebensmittel

Weggeworfene Lebensmittel sind ein riesiges Umweltproblem und belasten auch das Klima: Die Energie und die Ressourcen, die für ihre Herstellung verbraucht wurden, werden einfach verschwendet. In der Schweiz endet ein Drittel der Lebensmittel als Food Waste! In Plastik eingepacktes Essen hält sich länger als unverpacktes und ist vor Keimen geschützt. Plastik kann also helfen, Food Waste zu vermeiden – so gesehen ist es für die Umwelt durchaus nützlich.

Doch aus einigen Verpackungen können Schadstoffe in die Lebensmittel übergehen. Besonders Weichmacher und Bisphenole, die in bestimmten Plastikprodukten verwendet werden, sind problematisch, denn sie können auf Hormone einwirken. Um das Risiko zu reduzieren, werden in Gesetzen Höchstwerte festgelegt. Trotzdem sollte man Lebensmittel besser nicht in ihrer Verpackung erhitzen. Wer auf Nummer sicher gehen will, bewahrt seine Getränke und Esswaren in Glasbehältern auf und informiert sich darüber, welche Plastiksorten schädliche Stoffe enthalten.

Schon bald wird es hoffentlich bessere Alternativen geben. Es wird an neuen Verpackungen und Schutzfilmen geforscht, die nicht aus Plastik sind und Lebensmittel trotzdem haltbarer machen.

Was passiert mit unserem Plastikabfall?

Ist dein Plastikmüll erst einmal in einem Abfallsack oder öffentlichen Abfallkübel, gelangt er nicht mehr in die Umwelt. In der Schweiz wird Haushaltsabfall in Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) verbrannt und die Abwärme, die dabei entsteht, wird genutzt, um Gebäude zu heizen und Strom zu produzieren. Die PHZH und 170 000 Haushalte werden in der Stadt Zürich mit solcher Fernwärme geheizt. Diese Wärme ist zwar nicht klimaneutral, aber würde sie nicht genutzt, müsste Heizöl oder Gas verbrannt werden und es entstünden zusätzliche Emissionen.

Schweizweit verursacht die Kehrichtverbrennung jährlich gut 4 Millionen Tonnen CO2. Will die Schweiz das Klima und damit uns schützen, muss sich das bald ändern. Über klimaneutrale Kehrichtverbrennungsanlagen wird bereits nachgedacht. Das CO2 muss rausgefiltert und gespeichert werden, aber es wird wohl noch einige Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis es so weit ist. Wichtiger und effizienter: Wir müssen weniger Abfall produzieren, d. h. weniger konsumieren. Nur in Dänemark und den USA ist die Abfallmenge pro Kopf grösser als in der Schweiz.

Fazit: Die Plastikverbrennung in der Schweiz schadet dem Klima, aber deutlich weniger, als wenn sie nicht für Fernwärme und Elektrizität genutzt würde.

Wie steht es mit Plastikrecycling?

Erfreulicherweise werden 80% der PET-Flaschen rezykliert. Aber insgesamt sieht die Situation weniger rosig aus. Weniger als 10% aller Kunststoffe werden in der Schweiz rezykliert. Das ist wenig, einige europäische Länder sind da bedeutend weiter. Wir können uns hier sicher noch verbessern. Aber meist ist Plastik nur schwer rezyklierbar und verliert dabei an Qualität. Es braucht also neue Plastikprodukte, die gut rezyklierbar sind, wenn wir deutlich mehr Plastik sinnvoll wiederverwenden wollen, doch auch der Verbrauch muss zurückgehen.

Hier unsere Tipps:

1. Papier, Glas oder Plastik? Egal!

Plastik- und Papierverpackungen belasten die Umwelt je nachdem, wie sie hergestellt und entsorgt werden. Die Papierherstellung braucht sehr viel Wasser. Die Zellulose kommt oft aus Monokulturwäldern – also ökologischen Wüsten. Deshalb schneidet Papier gerade so gut oder schlecht ab wie Plastik.

Auch biologisch abbaubarer Plastik ist nicht besser als herkömmlicher. Oft ist er nur schwer kompostierbar und kann sich in der Umwelt wie normaler Plastik ansammeln. Wird er vollständig kompostiert, bildet er dabei keinen Humus und es entstehen oft mehr CO2-Emissionen, als wenn er verbrannt und die Abwärme genutzt würde.

Glasbehälter haben dann einen Vorteil, wenn man sie zuhause oder im Büro immer wieder verwendet. Doch Glasflaschen gehören zu den Verpackungen mit den höchsten Umweltbelastungen, denn das schwere Glas braucht viel Energie für Transport und Recycling, das gilt auch für Mehrwegglas.

Wenn es um Getränke geht, verursachen PET-Flaschen die niedrigste Umweltbelastung im Vergleich mit anderen Verpackungen.

2. Hilft weniger Plastik dem Klima?

Von deinem ökologischen Fussabdruck ist Plastik nicht mal der kleine Zeh. Im Durchschnitt verursacht jede Person in der Schweiz ca.100 kg Plastikabfall pro Jahr. Nur knapp die Hälfte davon kannst du beeinflussen. Vermeidest du diese 50 kg, dann sparst du 120 kg CO2 ein. Der Durchschnittsschweizer verursacht 14 Tonnen CO2 pro Jahr, das heisst, du senkst damit deinen Klimafussabdruck um höchstens 1%. Willst du einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, gibt es also grössere Hebel als dein Plastikverbrauch.

3. Kein Littering!

Schmeiss deinen Abfall in den Müll und nicht auf die Strasse, und wenn du Plastik am Boden siehst, lies ihn auf und wirf ihn in eine Mülltonne! Vor allem kleine Plastikteilchen, wie Zigarettenstummel, können trotz Strassenreinigung in die Kanalisation geschwemmt werden und von dort bei starkem Regen direkt in Flüsse und Seen gelangen.

Zigarettenkippen sind besonders schädlich, sie enthalten Nikotin, Arsen und Schwermetalle. In einem Versuch starb die Hälfte der Fische in einem Aquarium mit einer Kippe pro Liter Wasser. Auch Plastik in der Grünabfuhr schadet, denn dann können die Bioabfälle nicht kompostiert werden. Daher nie Plastikzeugs aus Bequemlichkeit in die Biotonne werfen!

4. Fahr weniger Auto!

Es verblüfft dich vielleicht, aber in der Schweiz kommen 93% der Kunststoffmikropartikel von Autoreifen. Dieser Reifenabrieb gelangt in unsere Böden und in die Luft. So haben sich in der Schweiz in den letzten 30 Jahren rund 200 000 Tonnen Mikrogummi in unserer Umwelt angesammelt. Mikroplastik findet man inzwischen in praktisch allen unseren Böden.

Wenn du nicht Auto fährst, schonst du zudem das Klima. Der Strassenverkehr verursacht ein Drittel der Schweizer CO2-Emissionen, aber trotz Klimakrise fahren wir immer mehr und immer dickere Autos. Seit den 90er Jahren legen wir fast 25% mehr Autokilometer zurück! Herr und Frau Durchschnittsschweizer verursacht so mehr Emissionen als die meisten Europäer.

5. Verzichte auf Kreuzfahrten!

Kreuzfahrten verursachen viel Plastikmüll im Meer und sind auch sonst ein ökologischer Albtraum.

Fazit

Weniger Plastik zu benutzen und fleissig zu recyceln ist nicht schwierig. Wir sollten es alle tun. Unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern wir damit jedoch nur geringfügig.

Ob du dein Take-away in Plastik oder Karton mitnimmst, macht keinen nennenswerten Unterschied; dein Essen in der Tupperware mitnehmen hingegen schon, wenn auch nur einen kleinen. In den allermeisten Fällen ist der Inhalt aus Umweltsicht sehr viel relevanter als die Verpackung. Wählst du einmal ein vegetarisches oder veganes Mittagessen statt einem mit Rind, sparst du genauso viel CO2, wie wenn du ca. 12-mal deine Tupperdose mitnimmst, statt ein Einweggeschirr zu benutzen. Und der Einkauf per Auto kann schnell einmal mehr Umweltbelastung verursachen als die eingekauften Verpackungen.

Willst du was für die Umwelt und das Klima tun, fliege nicht, fahr Velo und ÖV und verzichte öfter auf Fleisch und Käse. Damit kannst du deinen Fussabdruck um mehrere Tonnen verringern.

Willst Du im VN mitmachen? Schreibe uns ans vn@phzh.ch. Wir freuen uns auf dich!